Die Seite eines Unternehmens enthielt einen Satz über seinen noch lebenden Geschäftsführer, fast wörtlich aus einer Pressemappe übernommen: als Pionier der Branche bezeichnet. Belegt hatte ihn niemand. Achtzehn Monate zuvor hatte jemand den Baustein „Beleg fehlt“ gesetzt, und dort blieb der Satz stehen, in der Warteschlange hinter all den anderen unbelegten Behauptungen der Enzyklopädie.
Dann, an einem gewöhnlichen Dienstag, war er weg. Nicht neu markiert, nicht auf eine Diskussionsseite verschoben: einfach entfernt, in derselben Bearbeitung, die ihn beanstandete. Der Klient schrieb uns verwirrt: weiter unten auf derselben Seite trug ein Absatz über die Unternehmensgründung seit zwei Jahren denselben Baustein, ohne dass ihn jemand angerührt hätte. Warum war ausgerechnet dieser Satz an einem Tag verschwunden?
Umstrittenes Material über eine lebende Person, das unbelegt oder schlecht belegt ist, wird sofort entfernt; die Beweislast trägt, wer es aufnehmen möchte, nicht, wer es entfernen möchte.
Das Gründungsjahr eines Unternehmens kann auf einen Beleg warten, denn ein Irrtum dabei kostet die Enzyklopädie nur einen kleinen, korrigierbaren Fehler. Eine schmeichelhafte, aber unbelegte Aussage über eine namentlich genannte, lebende Person kostet etwas anderes, sollte sie sich als falsch oder übertrieben erweisen: Die Seite wird zu einer Quelle, die andere Medien als gesicherte Tatsache behandeln, und die beschriebene Person kann sie nicht selbst korrigieren, denn sie führt nicht die Feder. Die Geduld, die Wikipedia einem Baustein „Beleg fehlt“ sonst einräumt, galt für diese Art von Satz noch nie.
Was als umstritten gilt, entscheidet, wer den Satz liest, nicht, wer ihn in bester Absicht geschrieben hat. Eine vom Gründer abgesegnete Biografie, ein Geburtsort aus einem alten Interview, eine Berufsbezeichnung, die seit fünf Jahren unverändert mitgeschleppt wird: All das kann in dem Moment entfernt werden, in dem jemand den fehlenden Beleg bemerkt, ohne dass der Seite vorher eine Warnung zusteht.
Deshalb schreiben wir bei einer lebenden Person nichts mehr in der Absicht, es später zu belegen. Jeder Satz über eine namentlich genannte Person erhält seinen Beleg in dem Moment, in dem er entsteht, oder er kommt gar nicht erst in den Entwurf. Der Baustein war nie ein Ort, an dem man eine Behauptung abstellen konnte. Bei einer lebenden Person war er es nicht einmal für einen Tag.