Der Name eines Klienten füllte eine Woche lang jede Redaktion: ein viraler Clip, eine öffentliche Entschuldigung, lückenlose Berichterstattung. Das Volumen war real, ebenso die Frage, die folgte. Bei so viel Geschriebenem – warum kein Artikel?
Die Menge ist nicht der Maßstab. Wikipedia unterscheidet zwischen der Berichterstattung über ein Ereignis und der über eine Person, und wer nur wegen eines einzigen Vorfalls auftaucht, wird meist zu einem Detail im Artikel über das Ereignis – nicht zum Gegenstand einer eigenen Biografie.
Ein einzelnes Ereignis, so ausführlich es auch berichtet wurde, begründet für sich genommen noch keine Biografie.
Das trifft lang andauernde Geschichten ebenso wie virale Momente. Monatelange Berichterstattung über einen Prozess, einen Skandal, eine Rettungsaktion bleibt Berichterstattung über das Ereignis, nicht über die Person, wenn nach dessen Ende nichts Unabhängiges mehr über sie geschrieben wird. Nicht die Dauer entscheidet, sondern die Reichweite.
Unser Rat lautet, zu warten, bis sich die Quellenlage über das Ereignis hinaus erweitert: eine Rolle, die im Anschluss gesucht wird, eine Arbeit, die für sich besprochen wird, eine zweite Geschichte ohne Bezug zur ersten. Fehlt das, lautet das ehrliche Ergebnis – falls überhaupt ein Artikel gerechtfertigt ist – ein Artikel über das Ereignis, nicht über die Person darin.