„Keep – erfüllt WP:PROF criterion 1“, steht am Ende einer Löschdiskussion über einen Materialwissenschaftler, dessen Name nie in einer Zeitung stand. Der Austausch dauerte drei Beiträge, keine zwanzig Minuten. Ein gewöhnlicher Relevanzfall stützt sich auf wochenlang gesammelte Presseausschnitte; dieser stützte sich auf eine Zitationszahl.
Zuständig ist die Richtlinie Wikipedia:Notability (academics), kurz WP:NACADEMIC oder WP:PROF. Sie existiert, weil die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Fachkolleginnen und -kollegen gelesen werden, nicht von Journalisten – und die allgemeine Relevanzregel mit ihrer Forderung nach unabhängiger Presseberichterstattung würde die eigentlichen Köpfe eines Fachgebiets stillschweigend unsichtbar machen. Die Richtlinie ersetzt diese Forderung durch Kennzahlen, die der akademische Betrieb selbst längst erhebt: wie oft die Arbeit einer Person zitiert wird, welche Lehrstühle und Ämter sie innehatte, von welchen Gesellschaften sie gewählt wurde.
Die Richtlinie zählt neun Kriterien, von denen eines reicht. Am häufigsten greifen in der Praxis: signifikante Zitationswirkung im eigenen Fach, weit gefasst, gemessen an anderen Publizierenden desselben Gebiets; ein benannter oder durch eine Stiftung finanzierter Lehrstuhl an einer forschungsstarken Universität – eine Professur, die den Namen einer Stifterin oder eines Stifters trägt und von der Institution einer Person mit bereits etablierter Reputation vorbehalten ist, kein Ehrentitel, den jede erfahrene Dozentin irgendwann erhält; die Wahl in das höchste Amt einer großen gelehrten Gesellschaft mit selektiver Mitgliedschaft und jahrzehntelanger Geschichte; sowie die Herausgeberschaft einer Fachzeitschrift, die als führendes Organ ihres Gebiets gilt.
Eine Person ist relevant, wenn ihre Forschung in ihrer akademischen Disziplin, weit gefasst, signifikante Wirkung entfaltet hat, belegt durch unabhängige, zuverlässige Quellen.
Eine Biologin mit vierzigtausend Zitationen über ihr Publikationsverzeichnis, nach jedem gängigen Zitationsindex an der Spitze ihres Teilgebiets, erfüllt Kriterium 1 ohne eine einzige Zeitungserwähnung. Ein Start-up-Gründer, der zugleich einen Lehrauftrag hält und einmal von einem Technikmedium anlässlich einer Finanzierungsrunde porträtiert wurde, erfüllt weder die akademische noch die allgemeine Richtlinie – das Porträt handelt vom Unternehmen, nicht von der Forschung, und eine Meldung über einen Produktstart zählt bei Zitationen überhaupt nichts.
WP:PROF zu erfüllen beantwortet nur die Frage, ob ein Artikel bestehen soll. Es sagt nichts darüber aus, was der Artikel verantwortungsvoll behaupten darf. Eine Zitationszahl belegt, dass eine Arbeit Wirkung entfaltet hat; sie dokumentiert für sich allein keine Biografie. Sätze darüber, wo jemand studiert hat, für welche Institutionen er oder sie tätig war und welches Amt gegenwärtig bekleidet wird, brauchen weiterhin die gewöhnlichen Belege – Hochschulmitteilungen und Lebensläufe für schlichte Fakten, unabhängige Berichterstattung für alles, was einer Bedeutungsbehauptung nahekommt. Ein Fall, der sich allein auf einen Zitationsindex stützt, endet häufig als zweizeiliger Stub, den eine Sichterin zur Erweiterung markiert, statt als der Artikel, den die Mandantschaft erwartet hatte.
Das akademische Maß erfasst eine andere Art von Sichtbarkeit; es ist keine Abkürzung um den Beleg-Standard herum, der für jeden anderen Artikel gilt.