Ein Klient, der einen Interview-Podcast betreibt, schickte uns, noch bevor er etwas erklärte, einen Screenshot: die Abonnentenzahl, die monatlichen Downloads, eine seit drei Jahren stetig steigende Kurve. Er wollte wissen, warum ein Entwurf, der auf diesen Zahlen aufbaute, immer wieder abgelehnt wurde.
Die Zahlen waren echt, und für die eigentliche Frage bedeutungslos. Relevanz misst sich nicht an Reichweite. Sie verzeichnet, was unabhängige, zuverlässige Quellen aus eigenem Antrieb und nach eigenem Urteil über einen Gegenstand geschrieben haben. Eine Download-Zahl beschreibt ein Publikum. Sie sagt nichts darüber aus, ob außerhalb dieses Publikums je jemand aufmerksam geworden ist.
Das verwirrt alle, die es gewohnt sind, Reichweite überall sonst als entscheidende Größe zu behandeln. Die Statistiken eines Podcasts, die Abrufzahlen eines Kanals, die Abonnentenliste eines Newsletters sind sämtlich Primärdaten, erzeugt und veröffentlicht vom Gegenstand selbst, in derselben Kategorie wie eine Pressemitteilung oder ein Geschäftsbericht. Wie groß ein Publikum ist, das sich der Gegenstand selbst aufgebaut hat, belegt nicht, dass irgendjemand unabhängig geprüft hätte, was dieser Gegenstand eigentlich tut.
Bedeutsame Berichterstattung setzt voraus, dass Quellen sich direkt und ausführlich mit dem Gegenstand befassen, und dass diese Quellen unabhängig von seiner Reichweite oder seinen selbst veröffentlichten Inhalten bestehen.
Das heißt nicht, dass ein großes Publikum nie zu etwas führt. Manchmal zieht es genau die Aufmerksamkeit an, die das Kriterium verlangt: Ein Medienjournalist porträtiert die Sendung, ein Fachmedium untersucht, warum das Format funktioniert, eine Zeitung befragt den Moderator gerade zu diesem Publikum. Dann liegt die Berichterstattung vor, verfasst von jemandem, der kein Interesse daran hat, diese Zahl weiter wachsen zu sehen. Das ist die Quelle. Das Publikum, das sie ausgelöst hat, ist keine.
Was wir Klienten heute raten, ist, keine Statistiken mehr weiterzuleiten, sondern Belege zu sammeln: Fälle, in denen ein Journalist ohne jede Verbindung zur Sendung von sich aus entschieden hat, dass sich ein Artikel lohnt. Eine Kurve aus Downloadzahlen beantwortet eine Frage, die keine Redaktion stellt.