Wikipedia klärt die Zuverlässigkeit einer Quelle so, wie es fast alles andere klärt: durch öffentliche Diskussion, ein Archiv und die feste Gewohnheit, eine Frage neu aufzurollen, sobald sich die Beleglage ändert. Es gibt keine Liste zugelassener Verlage zum Nachschlagen, nur die Aufzeichnung jedes Mal, in dem die Frage bereits ausgetragen wurde.
Der Ort heißt Diskussionsseite für zuverlässige Quellen, kurz RSN. Jeder kann dort einen Diskussionsfaden eröffnen: einen Link zur Quelle, die Aussage, die sie belegen soll, und eine kurze Begründung dafür oder dagegen, sie für diesen Zweck als vertrauenswürdig zu behandeln. Andere Mitwirkende bringen Gegenbeispiele ein, Korrekturen, manchmal Korrekturen zu Korrekturen. Eine unbeteiligte Person schließt den Faden irgendwann mit einer Zusammenfassung, wohin sich der ungefähre Konsens bewegt hat. Abgestimmt wird nicht; wer schließt, liest die Argumente und hält fest, welche sich als tragfähig erwiesen haben.
Wiederholt sich das über zwanzig Jahre hinweg bei Tausenden Quellen, entsteht fast nebenbei ein Nachschlagewerk: die Liste der wiederkehrend diskutierten Quellen, eine laufend gepflegte Übersicht über Titel, die am RSN häufig genug zur Sprache kamen, um einen festen Vermerk zu verdienen. Vier Einstufungen decken die meisten Einträge ab — generell zuverlässig, kein Konsens, generell unzuverlässig, missbilligt — jede mit einer Begründung und einem Verweis auf die Diskussionen, aus denen sie hervorgegangen ist.
Einstufungen ändern sich, wenn sich die Publikation selbst ändert. Ein regionales Fachblatt kann ein Jahrzehnt lang als 'generell zuverlässig' gelten, getragen von einer unabhängigen Redaktion, und dann den Besitzer wechseln. Eine Marketingagentur kauft den Titel und beginnt, gesponserte Porträts im selben Stil zu veröffentlichen wie die Berichte, die einst diese Einstufung begründet hatten. Die erste Person, die es bemerkt — eine Autorenzeile, die früher zu einem festen Redakteur gehörte und jetzt unter Texten steht, die das Blatt selbst drei Absätze weiter unten als 'Partnerinhalt' kennzeichnet — eröffnet einen neuen Diskussionsfaden, und die Einstufung holt auf, was aus der Quelle geworden ist.
Zuverlässigkeit ist die Eigenschaft eines konkreten Inhalts, nicht einer ganzen Publikation; Kontext, Autorschaft und redaktionelle Kontrolle spielen jeweils eine Rolle.
Daraus ergibt sich eine schlichte, wenig glanzvolle Praxis: Bevor man sich auf ein kleineres Fachblatt oder eine Regionalzeitung stützt, lohnt sich der Blick, ob es bereits einen Vermerk auf der Liste trägt, und die Lektüre der Diskussion dahinter. Eine Einstufung als 'kein Konsens' trägt einen Beleg trotzdem, sofern der Beleg seine eigene Herleitung zeigt, statt sich allein auf den Namen der Quelle zu verlassen.
Dieselbe Feinheit gilt umgekehrt für eine herabgestufte Quelle. Ihre älteren Artikel, verfasst vor einer Übernahme oder einem redaktionellen Umbruch, können mit angegebenem Datum weiterhin Gewicht tragen; alles, was nach der Veränderung erschienen ist, trägt dieses Gewicht erst wieder, wenn jemand den Fall am Forum neu aufrollt. Ein einfaches Kästchen für zuverlässig oder nicht könnte eine derart feine Unterscheidung nie abbilden.
Das Ansehen eines Verlags ist hier eine lebendige, öffentlich geführte und anhand von Belegen überarbeitete Diskussion, kein einmal ausgestelltes und danach abgeheftetes Zertifikat. Die Diskussion zu lesen, bevor man die Quelle zitiert, ist fast die ganze Disziplin, die es braucht.